Bericht über die 11. IBWF-Fachtagung am 26.02.2010 in Düsseldorf
Thema:
Nachweis und Bewertung des Intellektuellen Kapitals
- Verbesserung der Kreditfähigkeit durch Zukunfts-Check in mittelständischen Unternehmen -
br>Bericht über die IBWF-Fachtagung vom 26.02.2010
Die 11. Fachtagung des IBWF am 26.02.2010 in Düsseldorf im Gebäude der ERGO-Versicherungsgruppe unter dem Thema „Nachweis und Bewertung des Intellektuellen Kapitals - Verbesserung der Kreditwürdigkeit durch Zukunfts-Check in mittelständischen Unternehmen“ war wieder ein voller Erfolg, wie Veranstalter und Teilnehmer konstatieren konnten.
Basis der Veranstaltung war die Europäische Wissensbilanz / Intellectual Capital Statement , kurz InCaS , entwickelt vom Fraunhofer Institut IPK, eine spezielle Methode für kleine und mittlere Unternehmen zur Darstellung ihrer immateriellen Unternehmenswerte .
Der Präsident des IBWF Instituts, Rechtsanwalt Karl-Heinz Thor, konnte gut 60 Teilnehmer begrüßen, darunter auch etliche Funktionsträger des BVMW, die sich für die Verbreitung der Wissensbilanz im Mittelstand informieren wollten. Der Präsident berichtete von den kurzfristigen Aktivitäten des IBWF seit Übernahme der Federführung des vom BVMW in Deutschland initiierten Projekts durch das IBWF und sein Beraternetzwerk im November 2009 und konnte auf 15 vom Fraunhofer-Institut erfolgreich ausgebildete IBWF-Wissensbilanzmoderatoren verweisen, von denen 12 erst im Januar 2010 ihre Qualifikation erworben hatten. Angesichts der Kreditklemme im Mittelstand, resultierend aus der Zurückhaltung der Banken bei der Vergabe neuer und Verlängerung vorhandener Kredite werde die Darstellung der Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens durch die Erstellung einer Wissensbilanz künftig mehr und mehr Gewicht bekommen.
Anschließend übernahm Tagungsleiter Dr. Manfred Hahn die Moderation und stellte zunächst den 1. Referenten, Prof. Dr. Kai Mertins, Fraunhofer Institut IPK, den „Erfinder“ der Wissensbilanz-Methodik vor. Dieser hielt dann das Grundsatzreferat , in dem er den Sinn der Wissensbilanz und die wichtigsten Einflußfaktoren des Intellektuellen Kapitals mit den 3 Säulen Humankapital, Strukturkapital und Beziehungskapital darstellte und das Wissensbilanz- Modell sowie die dazu entwickelten DV-Tools darstellte. Er betonte, daß in den Firmen vorhandenes Wissen nicht nur ermittelt sondern auch vor allem systematisch gemanagt und kommuniziert werden müsse, um einerseits das Intellektuelle Kapital messbar zu machen, Stärken und Schwächen aufzuzeigen, aufzuzeigen, wo sich Investitionen besonders lohnen und es nach innen und außen für Mitarbeiter, Kunden, Kapitalgeber und die Öffentlichkeit (Mitarbeiterrekrutierung) transparent zu machen.
Wie das in der Praxis funktioniert, stellten dann eindrucksvoll die Wissensbilanz-Moderatorin Mechthild Müller (IBWF) und das BVMW-Mitglied Schotte Automotive, vertreten durch den Geschäftsführer Jan M. Mach gemeinsam vor. Herr Mach berichtete, wie sein schon zuvor recht gut und international aufgestelltes Zuliefer-Unternehmen durch die Wissens-bilanz für die Zukunft noch deutlich besser vorbereitet worden sei und betonte, daß er nur schade fände, nicht eher darauf gestoßen zu sein und andererseits, daß es sich dabei um einen kontinuierlichen Prozeß handele, um die Entwicklung und Zielerreichung konsequent überwachen zu können. Gemeinsam mit der Moderatorin Frau Müller und einigen der anwesenden, frisch ausgebildeten InCaS-Moderatoren des IBWF simulierte diese Gruppe dann als Wissensbilanzteam eines mittelständischen Unternehmens einen Teil des Prozesses der Wissensbilanzerstellung. Das war für die Tagungsteilnehmer besonders anregend und hatte hohen Lerneffekt in Bezug auf die Vorgehensweise.
Der Bundesgeschäftsfürer des BVMW, Herr Bodo Schwarz, schilderte anschließend die Ziele des BVMW für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands und hob die Bedeutung der Europäischen Wissensbilanz (InCaS) für die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen hervor. Er sagte dem IBWF die volle Unterstützung des BVMW und seiner Funktionsträger bei der wichtigen Aufgabe der Verbreitung der Wissensbilanz zu und betonte die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit der beiden Schwesterverbände zum Wohle der mittelständischen Wirtschaft.
Hierin wurde er bestärkt durch Mario Ohoven, den Präsidenten des BVMW, der regelmäßig an den Fachtagungen des IBWF kurzzeitig teilnimmt und diese besonders schätzt. Er betonte, daß erst mit der Expertise des IBWF die InCas Initiative des BVMW einen Sinn mache und daß man diese Aufgabe nur gemeinsam bewältigen könne.
Anstelle eines Vertreters der Bankenseite, der kurzfristig wegen dringender Vorstandsge-schäfte hatte absagen müssen, übernahm Markus Will vom Fraunhofer Institut IPK die Darstellung der Bankensicht. Er ist der Verantwortliche für die Entwicklung der Wissensbilanz –Toolbox und hat im Projekt „Zukunfts-Check Mittelstand“ gemeinsam mit Banken die Anforderungen entwickelt sowie in der praktischen Durchführung getestet und optimiert. Er bestätigte, daß die immateriellen Werte eines Unternehmens für die Mehrheit der Finanzexperten immer wichtiger werden (97% der Experten sagen, daß erst durch Informationen über immaterielle Werte eine präzise Unternehmensbeurteilung möglich sei) und weiter zunehmen werde. In der von ihm betreuten Studie wurden 68 Finanzexperten in 45 Banken befragt. Demgegenüber werden nur in 24% der deutschen Unternehmen Instrumente zur Steuerung ihrer immateriellen Faktoren - und das sind nicht in erster Linie die kleineren Mittelständler. Darüber hinaus beziehen sich bei den restlichen 24% der Unternehmen die Steuerungsinstrumente vor allem nur auf das Humankapital und IT-Lösungen.
Das zeigt eindeutig, welche Reserven hier noch zu mobilisieren sind. Die Banken wollen vor allem in 3 Bereichen nachvollziehbare Antworten:
Strategie (Wo wollen wir hin? > Geschäftsumfeld, Geschäftsmodell, Strategie )
Status Quo (wo stehen wir heute? > Stärken und Schwächen, Entwicklungspotentiale und Handlungsfelder)
Maßnahmen (Was tun wir? > Maßnahmen zur Strategieumsetzung, Finanzierung u. Überwachung von Maßnahmen)
Diese Fragen (der Banken) beantwortet in Kurzform der Zukunfts-Check.
Im Rahmen einer Wissensbilanz werden aber sowohl diese Fragen als auch alle Fragen, die das Unternehmen für seine Zukunftsfähigkeit sich selbst beantworten muß, ausführlich und von einem Team beantwortet, das wirklich repräsentativ für das Unternehmen steht , in dauerhafte Verbesserungen des Instrumentariums für Erfolgskontrolle und damit permanente Entwicklung im Unternehmen bewirkt.
In seinem Ausblick zum Ende der Veranstaltung wies Karl-Heinz Thor auf das enorme Potential hin, das in vielen Unternehmen schlummert aber nicht gezielt aktiviert wird. Daher warten noch viele Aufgaben auf die Wissensbilanz-Moderatoren und es müssen noch etliche ausgebildet werden, um flächendeckend dem Mittelstand zur Verfügung zu stehen. Daran werden IBWF, das Fraunhofer Institut und der BVMW gemeinsam zügig weiter arbeiten.
Noch während der Veranstaltung haben sich weitere 6 IBWF-Berater für die Ausbildung angemeldet und Ende April wird das nächste Seminar in Bonn mit mindestens 10 Beratern stattfinden. Anmeldungen nimmt die Bundesgeschäftsstelle in Bonn (ibwf@ibwf.org) gern entgegen.
Karl-Heinz Thor, Präsident des IBW Instituts e.V.





